Der CSC Salzburg gibt nicht auf

„Niemand wird mich davon abhalten, Patienten mit Hanf zu versorgen”

Medijuana sprach mit dem Obmann des Cannabis Social Club Salzburg Willi Wallner nach der siebten Beschlagnahme seiner Medizinalhanfproduktion.

CSCS01Medijuana: Willi, wir sehen auf eine Menge leerer Blumentöpfe. Wieso kam die Polizei nach einigen ruhigen Monaten wieder?

Willi Wallner: Ich mache keinen Hehl daraus, dass wir medizinisches Cannabis für unsere 130 Mitglieder produzieren und nach dem CSC-Modell zum Selbstkostenpreis abgeben wollen. Jetzt wird wieder wegen des ‘Verdachts der Suchtmittelgewinnung’ ermittelt, was eindeutig nicht der Fall ist, weil unsere Mitglieder kein Sucht- sondern ein Heilmittel zu sich nehmen. Aber niemand wird mich davon abhalten, Patienten mit Hanf zu versorgen.

MED: Wie verlief die Hausdurchsuchung? Macht es den Beamten Spaß, kranke PensionistInnen zu jagen?

WW: Wir kennen das ganze Theater, weil es schon zum siebten Mal passierte. Diesmal wurde ich sogar in Handschellen abgeführt, weil mir die Polizisten auch meine eigene Ration Cannabis konfisziert haben. Da habe ich mich auf der Treppe quergelegt, weil für mich die Schmerzen ohne Cannabis einfach nicht auszuhalten sind und ich kein Morphium nehmen will, das bei mir auch nicht so gut wirkt wie ein simpler Joint.

Den Beamten ist das auch jedes Mal unangenehm, weil sie ganz genau wissen, dass das hier kein Coffeeshop ist. Schließlich holt sich sogar die Mutter eines der Exekutivbeamten ihre Cannabis-Tinktur bei uns und ist CSC-Mitglied.

MED: Ihr rechtfertigt eure Aktivitäten mit zwei starken Gründen. Bitte erkläre das den LeserInnen.

WW: Zum einen berufe ich mich auf ein Fristenversäumnis der Behörden. Ich habe angekündigt, im Name unserer Mitglieder die Heilpflanze Cannabis anzubauen, und dafür nie einen negativen Bescheid erhalten. Zum anderen berufen sich alle unsere 130 Mitglieder auf einen medizinischen Notstand, weil sie zum Großteil konventionell austherapiert sind und Cannabis ihre letzte Hilfe ist. Wir hoffen stark, dass es nicht so weit kommt, dass Patienten sterben müssen, weil wir sie nicht mit Cannabis versorgen können. Das sind ja keine Rastatypen, sondern ganz einfach kranke Menschen, die sonst keinen Zugang zu ihrem bevorzugten Heilmittel hätten. Für jeden Schmerzpatienten ist jeder Tag ohne Cannabis eine Tortur.

MED: Wie geht es jetzt weiter?

WW: Ich habe nach der Beschlagnahmung von 170 Pflanzen sofort die nächsten angesetzt. Mich wird keine Behörde daran hindern, Menschen von ihren Schmerzen zu befreien.

Für mich ist das alles nur Wahnsinn, der hier auf dem Rücken von Patienten ausgetragen wird. Auch wenn bei diesen Verfahren gegen mich nicht viel herauskommen wird, werden wir durch die Justiz mürbe gemacht, weil wir ja ständig Rechtsanwälte brauchen. Wo leben wir denn, dass im 21. Jahrhundert Menschen strafrechtlich verfolgt werden, nur weil sie die Medizin ihrer Wahl nehmen wollen?

MED: Wir bedanken uns für das Gespräch.