Chronic feminisiert

Seit 2010 führt die niederländische Seed Bank Serious Seeds auch feminisierte Samen in ihrem Programm, sie hat nun die Sorten AK-47, Chronic, White Russian, Kali Mist, Warlock, Double Dutch, Motavation, Biddy Early und Autoflowering White Russian #1 sowie auch die neue, sechste Sorte Serious 6 in feminisierter Form verfügbar. Der Grower Raztazotti testete einen Satz feminisierte Chronic-Samen – Vorhang auf für die Damenwahl-Premiere mit Serious Seeds!

Simon, der Züchter von Serious Seeds, hat sich bei der Züchtung seiner feminisierten Samen wie üblich viel Zeit gelassen, um ein 100%ig verlässliches, qualitativ herausragendes Ergebnis sicherzustellen. Er berichtet: ”Ich habe schon vor 15 Jahren ausgiebig mit Gibberellinsäure experimentiert, um männliche Blüten auf weiblichen Pflanzen zu erzeugen. Die neuere Technik mit Silberthiosulfat war mir auch schon bekannt, wir fokussierten uns jedoch immer auf andere Züchtungskriterien. Aber als wir damals – Mitte der 90er Jahre – erstmals auf dem Gebiet feminisierter Samen forschten, haben wir uns mit der Materie sicherlich eingehender beschäftigt als die meisten anderen Seed Banks. Es brauchte einfach seine Zeit, bis unsere feminisierten Samen so superb wie die regulären geworden waren.”

Die Sorte Chronic, erstmals im Jahre 1994 als Samensorte erhältlich, ist heutzutage ein wahrer Evergreen, eine der weltweit beliebtesten Standardsorten für eine gelungene Kombination aus sehr hohen Erträgen und sehr guter Qualität in Sachen Potenz und Aroma. Noch im ersten Jahr ihres Erscheinens belegte Chronic beim High Times Cannabis Cup 1994 den dritten Platz in der Hydro-Kategorie – dies war das einzige Mal, dass Serious Seeds diese Sorte beim Cup einreichte. Zahlreiche weitere Auszeichnungen sollten folgen, im neuen Jahrtausend in Spanien u. a. ein zweiter Platz beim El Punto Cup 2005 in Málaga und ein erster Platz beim Hydro High Life Cup in Barcelona 2004, eingereicht durch einen Growshop aus Spanien (Mundo Ganja, Alicante). Im selben Wettbewerb hat Chronic auch noch den zweiten Platz gewonnen, eingereicht durch einen anderen Growshop: Perenne Grow, Barcelona.

“The Chronic” ist im amerikanischen Sprachgebrauch ein Synonym für hochwertiges Marihuana – Dr. Dre´s gleichnamiger Hip-Hop-Albenklassiker aus dem Jahre 1993 lässt schön grüßen. Auch die Firma Adidas liebäugelte Mitte der 90er Jahre damit, ihren neuen Hanf-Turnschuh “The Chronic” zu nennen, nahm davon aber Abstand – aus Angst, in der öffentlichen Wahrnehmung als drogenfreundlich zu gelten. Aber selbst gegen den stattdessen gewählten, hanfpolitisch etwas abgeschwächten Namen “The Hemp” lief der damalige US-Drogenbeauftragte Lee Brown empört Sturm – ebenso lächerlich wie erfolglos, die Schuhe kamen letztlich als “The Hemp” auf den Markt.

Genetisch gesehen handelt es sich bei der Sorte Chronic um eine Old-School-Hybride: Northern Lights x Skunk wurde gekreuzt mit Northern Lights x AK-47. Dies ist die heutige genetische Zusammensetzung der Chronic, die ursprüngliche Version beinhaltete indessen noch keine AK-47-Genetik. Doch Ende der 90er Jahre befand Züchter Simon, dass seine Chronic eine genetische Auffrischung vertragen könnte. Dabei legte er großen Wert darauf, dass der typische Charakter der Chronic im Wesentlichen unverändert bleiben musste. Er entschied sich für die Sativa-lastige, preisgekrönte Sorte AK-47 aus eigenem Hause als Frischzellenkur. Simon berichtet: “Ich kreuzte mehr Sativa-Anteil in die Indica-dominante Chronic ein, was sich in einem komplexeren High auswirkte, ohne dass dabei der gute Ertrag und das feine Aroma auf der Strecke blieben. Außerdem wurde durch dieses Facelifting sowohl der THC- als auch der Harz-Gehalt optimiert. Der honigsüße Duft mit seinem leicht würzigen Einschlag blieb ebenfalls intakt.”

Der Grower Raztazotti war sehr gespannt auf Chronic in feminisierter Form, ob in Sachen 100% Weiblichkeit alles glatt laufen und die Anbau-Performance von Chronic ihn auch in ihrer feminisierten Form überzeugen würde. Von den sechs Chronic FemSeeds, die in dem Samentütchen enthalten waren, säte er fünf Stück selbst aus, den sechsten Samen reichte er an einen Freund weiter. In Raztazottis Growraum wurden noch weitere Pflanzen von anderen Seed Banks kultiviert. Alle fünf Samen keimten gut und wurden zunächst unter einigen fluoreszierenden Röhren angezogen. Dann wurden sie in 11-Liter-Töpfe, befüllt mit Plagron Growmix, umgetopft und im Growraum unter eine 600 Watt-Greenbud-Lampe (Hochdrucknatriumdampflampe für die Wachstumsphase) gestellt. Raztazotti ließ die Pflanzen inkl. Keimung vier Wochen lang vegetativ wachsen. Schon früh deutete sich an, dass sich die Chronic-Pflanzen gut verzweigen würden, sie produzierten zahlreiche Triebe und ein sattes Blattgrün. Außerdem wuchsen sie sehr einheitlich, sowohl von der Höhe als auch vom Wachstumsmodell her.

Mit der Umstellung der Pflanzen auf Blüte tauschte Raztazotti die Greenbud-Lampe durch die entsprechende Version für die Blüte aus. Nachdem er die Blüte eingeleitet hatte (12 Stunden Licht, 12 Stunden Dunkelheit), zeigten alle fünf Pflanzen, deren Höhe zwischen 60 und 70 cm betrug, innerhalb von einer Woche ihr Geschlecht – welches (bestimmungsgemäß) weiblich war. Nach zwei Wochen Blüte wurden die ersten Harzansätze sichtbar und das Blütenwachstum kam ordentlich in Schwung. Raztazotti hatte allerdings Probleme mit der großen Hitze, die draußen und leider auch in seinem im Dachgeschoss befindlichen Growraum herrschte, zeitweise betrug die Temperatur in der Lichtphase bis zu 38°C – deutlich zu viel für ein gänzlich optimales Gedeihen der Blüte. Die fünf feminisierten Chronic-Pflanzen schlugen sich aber dennoch sehr wacker und begannen, zahlreiche Buds auszubilden. Nach vier Wochen Blüte war der Growraum bereits vom typisch süßlich-würzigen Chronic-Aroma erfüllt, und die Buds formierten sich immer dichter. Nach weiteren vier Blütewochen stand die Ernte kurz bevor. Das Aroma hatte seinen höchsten Intensitätsgrad erreicht – da war er wieder, jener köstliche Duft nach würzigem Wildblumenhonig. Nicht eine einzige männliche Blüte war an den fünf Chronic-Plants auszumachen, der Femi-Test wurde mit Bravour bestanden. Die Chronic-Buds aller Pflanzen waren sehr harzig geworden, deutlich harziger als ich es von einem anderen Chronic-Grow Jahre zuvor her kannte. Und neben fünf sehr stattlichen Top-Colas gab es auch eine große Anzahl von gut gebauten Side-Colas zu bestaunen. Die Einheitlichkeit der Pflanzen in Sachen Wachstumsmodell und Blüte war bis zum Ende sehr hoch geblieben, ihre Endhöhen betrugen 110-125 cm. Die kompakten Blütenstände hatten ein hohes Blüten/Blätter-Verhältnis, was die Erntearbeit für Raztazotti am Ende sehr vereinfachen sollte. Nach 57 bis 60 Tagen konnte er alle Pflanzen ernten, was sich sicher im offiziell angegebenen Erntezeitfenster von 56-63 Tagen bewegte. Verglichen mit den bekannten Photos der Sorte Chronic waren seine Chronic-Buds zwar keine Giganten geworden, hatten angesichts der über weite Strecken hitzigen Verhältnisse im Growraum aber dennoch ein sehr gutes, zufriedenstellendes Ergebnis erzielt – die gesamte Blütenertrag der fünf Pflanzen belief sich nach der Trocknung auf 220 g, die sich sehr gleichmäßig auf die fünf Plants verteilte. Eine weitere positive Erkenntnis: Trotz der Hitze hatte es keinen Schimmel- oder Spinnmilbenbefall gegeben.

Um das besondere Chronic-Aroma unbeschadet von der lebenden Pflanze auf das rauchbare Endprodukt übertragen zu können, ist eine schonende Weiterverarbeitung der Buds ganz besonders wichtig. Wenn man Chronic-Blüten z. B. in Plastik verpackt, obwohl sie noch nicht ganz zu Ende getrocknet sind, geht der Duft unwiederbringlich verloren. Und Raztazotti ließ bei der Trocknung natürlich nichts anbrennen, führte sie sehr schonend durch und erhielt am Ende eine wunderbare Aromaqualität, eine Art rauchbaren Honig. Das High der Chronic wurde für Raztazotti zu einer abwechslungsreichen Angelegenheit. Zunächst stellte sich ein sehr beschwingender Sativa-Kick ein, der aber nach einer Weile verebbte und einem dämpfenden, ruhig daherkommenden Indica-Stone wich, der noch lange andauerte.

Insgesamt hatte Chronic Raztazotti auch in ihrer feminisierten Form voll überzeugt, die Damenwahl-Premiere mit Serious Seeds war also vollständig geglückt.

Laut Simon lässt sich Chronic auch unter natürlichem Licht gut anbauen, die Reifezeit liegt zwischen dem 15. und 31. Oktober. Allerdings empfiehlt sich hierfür eine geschützte Lage, z. B. auf einem überdachten Balkon oder unter Glas bzw. Folie.