CBD- und Hanfsamenöle unter dem Mikroskop

In Prag wurden erstmals innerhalb der Europäischen Union unabhängige Tests von im Einzelhandel erhältlichen Ölen mit Cannabidiolgehalt und Hanfsamenölen durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen, dass eine Qualitätskontrolle bei Massenprodukten aus Hanf notwendig ist.

Die Hanfindustrie hat sich in den letzten Jahren gewaltig entwickelt und die Qualitätskontrolle konnte damit nicht Schritt halten. Am Fachbereich für Lebensmittelanalyse und Ernährung an der Prager Chemischen und Technologischen Universität wird das erste PFC-geprüfte europäische Laboratorium betrieben. PFC (Patient Focus Certification) ist ein unabhängiges Programm zur Zertifizierung der Qualität von Produkten auf Cannabisbasis – also für Medikamente, aber auch medizinisch-technische Geräte, Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel. PFC überprüfte in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Cannabis und Cannabinoid Institut (ICCI) einige im Handel erhältliche CBD-Produkte und Hanfsamenöle. Insbesondere die unabhängigen Qualitätstests von Produkten auf Cannabisbasis, die für den menschlichen Verzehr gedacht sind, bestärken, dass Sicherheitsbestimmungen bei Herstellung und Vertrieb nötig sind.

Strenge Methodik

Die von der Professorin Jana Hajšlová geleitete Gruppe untersuchte im letzten Quartal 2016 insgesamt 29 Öle, die CBD enthalten – den nicht psychotropen, biologisch aktiven Wirkstoff des Cannabis, sowie aus Hanfsamen gepresste Öle. In beiden Kategorien interessierte sie die Qualität und Herkunft der benutzten Öle sowie die eventuell in den Ölen feststellbaren Umweltverunreinigungen, etwa polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff (PAH). Zum Schutz der Gesundheit der KonsumentInnen legten die ForscherInnen bei den Qualitätsprüfungen die höchsten in den Rechtsvorschriften festgelegten Grenzwerte zugrunde. Bei den CBD-Ölen wurde auch die Qualität des angegebenen CBD mit denen vom Hersteller angegebenen Werten und dem potenziellen THC-Gehalt verglichen.

Für Lebensmittel auf Cannabisbasis erstellte der Forschungsdirektor des ICCI, Tomáš Zábranský, die Bewertungsrichtlinien. Die ForscherInnen untersuchten das Vorkommen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die nach der Einstufung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) zu den krebserregenden und das Erbgut verändernden Stoffen gehören. Die krebserregende Wirkung dieser Stoffe wurde an Tieren experimentell und an Menschen mit epidemiologischen Untersuchungen festgestellt. Das ist besonders wichtig für alle, die CBD langfristig wegen seiner wohltuenden Wirkungen konsumieren. Der zweite Untersuchungsgegenstand war der THC-Gehalt. Diese psychoaktive Verbindung ist schon in relativ kleinen Mengen in der Lage, die Wahrnehmung zu beeinflussen, was besonders die Fähigkeit Auto zu fahren und Entscheidungen zu treffen in Mitleidenschaft ziehen kann, wenn die KonsumentInnen sich nicht im Klaren darüber sind, dass ihre Psyche unter dem äußeren Einfluss eines Wirkstoffes steht. Darüber hinaus könnte der Nachweis von THC im Blut bei einer Verkehrskontrolle zum Führerscheinentzug führen. Falls sich im Falle einer behördlichen Kontrolle des Öls herausstellt, dass der THC-Gehalt über dem erlaubten Höchstwert liegt, kann gegen den/die KäuferIn sogar ein Strafverfahren wegen Drogenbesitzes eingeleitet werden.

 

Zusatzstoffe und zu viel THC

Die Ergebnisse der Analyse blieben leider hinsichtlich der Qualität weit hinter den Erwartungen zurück. Das veranlasste das ICCI und den Fachbereich für Lebensmittelanalyse und Ernährung dazu, die KonsumentInnen über die Risiken der gefährlichen Verunreinigungen zu informieren. Hinsichtlich der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAH) wurden neun der getesteten 29 CBD-Öle (31 %) als „zufriedenstellend“ bewertet. Die Hanfsamenöle schnitten besser ab. In dieser Kategorie hielten 23 der 25 untersuchten Proben (92 %) den vorgeschriebenen PAH-Wert für Lebensmittel ein.

Bei der Analyse wurde deutlich, dass sich die KonsumentInnen oft nicht im Klaren über die Zusammensetzung der jeweiligen Produkte sind. Bei 60 Prozent der untersuchten CBD-Öle war der THC-Gehalt nicht auf dem Etikett aufgeführt – obwohl der/die BenutzerIn einen positiven THC-Test riskiert, beispielsweise bei Verkehrskontrollen oder Überprüfungen am Arbeitsplatz. Bei einem Viertel der untersuchten Öle ist die in der Tschechischen Republik erlaubte Schwelle von 2 ng/ml THC schon bei der empfohlenen Dosis im Blut nachweisbar und bei weiteren 10 Prozent bei Anwendung der auf der Packung angegebenen Maximaldosis. Bei 34 Prozent der CBD-Öle war der wahre Gehalt von CBD bzw. Cannabidiolsäure (CBDA) problematisch, und zwar im Bereich der vom Hersteller angegebenen Dosierung!

Über die Konsequenzen der Untersuchung sagte der leitende Direktor des ICCI, Pavel Kubu: „Wir nahmen Kontakt mit allen Herstellern der untersuchten Lebensmittel auf Cannabisbasis auf, teilten ihnen die Ergebnisse mit und boten ihnen Hilfe bei Sicherheitsuntersuchungen und der Verbesserung der Qualität an. Eine Liste der Produkte, bei denen die Grenzwerte der PAH-Analyse zufriedenstellend eingehalten wurden, machten wir in einem Verzeichnis auf der Webseite PFC International allen KonsumentInnen zugänglich. Die in der International Medical Cannabis Patients Coalition (IMCPC) zusammengeschlossenen Patientenorganisationen bekommen Informationen über die Qualität der von ihnen benutzten Öle. Die Liste der Öle mit einer als ‹geeignet› eingestuften Qualität befindet sich auf der Webseite des ICCI in der Rubrik Pressemitteilungen.“