CANNABIS XXL 2017

Hanfmesse München

Cannabis XXL ist die erste Veranstaltung ihrer Art in der bayerischen Hauptstadt, und dieses Jahr fand sie bereits zum zweiten Mal statt. Bekanntlich ist München nicht die Hochburg der deutschen Cannabislegalisierung, denn der Freistaat Bayern betrachtet nicht einmal den medizinischen Gebrauch als legal. Mit einem Wort: München ist nicht das Mekka des Cannabis. Trotzdem schauten wir uns auf der Messe um.

In Bayern wird zwar das Recht der PatientInnen zum Cannabisgebrauch garantiert, die Versorgung hingegen ist beschränkt. Der Freistaat erkennt also das Recht an, mit Cannabis zu therapieren, da man es aber nicht erhalten kann, zieht man, wenn man ein wenig Verstand und Lebensdrang hat, nach Berlin. Diese Rechtspraxis ist zwar ein wenig merkwürdig, aber immer noch besser als die ungarische, die den PatientInnen das Recht zum Gebrauch abspricht.

Die bayerischen CannabisaktivistInnen hingegen sind sehr resolut und lassen sich nicht unterkriegen. Sie treten für ihre Rechte ein und es entstehen Initiativen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Situation und die Rechte der PatientInnen lenken. Die OrganisatorInnen von XXL betonen dies nicht nur zufällig. Cheforganisator Wenczel Cherveny, etwa 50 Jahre alt und selbst Patient, ist Gründer des Cannabis Verbands Bayern, der das erste bayerische Zentrum für therapeutisches Cannabis ins Leben gerufen hat. Er sammelt mit seiner Gruppe ständig Unterschriften für eine Volksabstimmung, mit der erreicht werden soll, dass wenigstens Kranke das für viele von ihnen lebenswichtige Cannabis erhalten können. Nicht alle können oder wollen nach Berlin ziehen. Auch er nicht.

Die Aussteller auf dieser Messe sind in der Hauptsache regionale UnternehmerInnen, aber auch ProduzentInnen aus der Tschechischen Republik und Polen, die mit ihren Produkten auf den deutschen Markt drängen. Sie stellen in erster Linie aus Hanf gefertigte Lebensmittel, Kleider, Kosmetika und verschiedene Präparate vor. Daneben sind auch die Growshops der Region vertreten sowie ein österreichischer Pflanzenvertrieb, dessen Besitzer Bayer ist. Ihn bestürmten die BesucherInnen den ganzen Tag lang mit Fragen, auch wenn nach dem bayerischen Gesetz am Stand der Wiener Premium Genetics keine Pflanzen zum Verkauf angeboten werden durften.

Lange Schlangen bildeten sich auch vor den Ständen mit CBD-Produkten. CBD-Öl, CBD-Kristalle und CBD-Haschisch enthalten keine verbotenen Stoffe, daher ist der Vertrieb zurzeit nicht illegal. Möglicherweise finde nur ich es seltsam, dass jemand Haschisch raucht, das nicht high macht. Aber schließlich gibt es auch alkoholfreies Bier und koffeinfreien Kaffee, warum also nicht auch THC-freies Gras?

Spaß beiseite, diese Produkte werden in erster Linie für Kranke hergestellt, die ihre Symptome mit CBD behandeln und sich nicht bekiffen wollen. Ganz gewöhnliche Leute – Lehrerinnen, Schreiner und Köche wollen beispielsweise ihre Gliederschmerzen loswerden. Für sie ist die psychoaktive Wirkung des Cannabis eine unerwünschte Begleiterscheinung.

Auch die Konferenz, an der bekannte Größen aus der deutschen Cannabisszene teilnahmen, fand großes Interesse. Als international gefeierten Gast konnte man Rick Simpson, den bekanntesten Fürsprecher des Cannabisöls, der die herkömmliche Krebsbehandlung Chemotherapie ablehnt und seine Krebserkrankung mit selbst hergestelltem Öl heilte, auf dem Podium bewundern. Sein Name ist zum Symbol geworden und viele Cannabisöle gegen Krebs wurden nach ihm benannt.

Die Besucherzahl blieb hinter der Berliner Messe zurück, hatte ihr aber durch die medizinischen Bezüge etwas voraus. Wir selbst hoffen, dass wir auch in den kommenden Jahren an dieser Messe teilnehmen werden.