Cannabis statt Opiaten

Die Geschichte des Vorsitzenden der ARGE CANNA

Gerfried (46) ist aufgrund mehrerer schwerwiegender Erkrankungen zu 80% körperbehindert und deshalb seit 2005 in Berufsunfähigkeitsrente.

Gerfried (schwarzes T-Shirt) im Gespräch mit Enrico Fletzer (ENCOD) und ONEJ

Medijuana: Bitte erzähle uns zuerst von deinen gesundheitlichen Problemen und wie diese entstanden sind!

Gerfried: Ich hatte vor vierzehn Jahren einen Herzinfarkt, der durch eine Grippe ausgelöst wurde. Dieser hat über die Jahre zu weiteren schwerwiegenden Komplikationen geführt. So haben nach dem Infarkt vom Herz ausgehend mehrere Blutgerinnsel in meinen Körper gestreut und dort einige üble Zerstörungen angerichtet. Mein linkes Bein ist gerade noch so durchblutet, dass ich es nicht abnehmen lassen muss, was aber andauernd starke bewegungsabhängige Schmerzen verursacht (PAVK II b). Meine linke Niere wurde ebenso durch eine Embolie zu zwei Dritteln zerstört und in meinem rechten Bein konnte ein Blutgerinnsel aufgelöst werden, aber leider nicht völlig. Zu meiner Herz-Kreislauf-Erkrankung kommen noch Nervenschmerzen in beiden Füßen (Polyneuropathie), sowie ein kaputter Nerv im linken Arm dazu, der zu Gefühlsausfällen und Muskelschwund in der linken Hand geführt hat. Als wäre das alles nicht genug, hat sich über die Jahre auch noch eine sehr zermürbende und schmerzhafte Krankheit bei mir breitgemacht, die Fibromyalgie.

Ich bin nun durch meine ganzen körperlichen Leiden körperlich behindert, durch meine albtraumhafte Krankengeschichte auch psychisch in Mitleidenschaft gezogen und es wurde zuletzt noch eine posttraumatische Belastungsstörung bei mir diagnostiziert. Ich bin also multimorbide.

MED: Wann und wie bist du dann auf Cannabis als Medizin gestoßen?

G: Zu Cannabis als Medizin bin ich durch die Schmerzambulanz Klagenfurt gekommen. Diese hat vor Jahren damit begonnen, meine Schmerzen mit Dronabinol zu behandeln, mit durchschlagendem Erfolg. Ich konnte inzwischen dank Cannabis auf mehrere Medikamente verzichten, unter anderem auf Opiate wie Tramal, Tramadol und Oxycodon.

MED: Das ist sehr erfreulich. Cannabis hat ja im Gegensatz zu den Opiaten eine viel höhere Anwendungssicherheit. Würdest du persönlich profitieren, wenn du Cannabis – ausschließlich für deinen medizinischen Bedarf – anbauen dürftest?

G: Ja, ich würde gesundheitlich sicher profitieren, da ich mir jetzt mit einer umständlichen Krücke behelfen muss, um die gesamten Cannabinoide legal einnehmen zu dürfen. Ich hab für mich festgestellt, dass mir die Monosubstanz Dronabinol (THC) nicht dieselbe Linderung meiner Schmerzen verschafft wie der Gesamtauszug aus der Blüte. Da THC ja nur als Einzelsubstanz verschreibungsfähig ist, nicht aber der Gesamtauszug aus der Blüte, behelfe ich mir so, dass ich zusätzlich zum ärztlich verordneten Dronabinol die in Österreich legal erhältlichen CBD-Tropfen von Medihemp zu mir nehme. Diese werden in Bioqualität aus den Blüten des Industriehanfs gewonnen und beinhalten alle Cannabinoide außer THC nur in Spuren, vor allem das für meine Nervenschmerzen wichtige CBD. Dass ich als kranker Mensch diese umständliche und auch teure Krücke benutzen muss, um legal zu meiner Medizin zu kommen, müsste nicht so sein, da ich mir sicher bin, dass es für meine ganzen Leiden genau die spezielle medizinische Hanfpflanze gibt, die ich brauche. Diese würde ich sehr gerne anbauen, wenn mir der Staat das erlauben würde, zumal ja die Auseinandersetzung mit einer Pflanze – das Säen, Hochziehen und Pflegen von Hanf – mit Sicherheit eine gesunde, sinnvolle Tätigkeit darstellt und für viele kranke Menschen auch Balsam für die Seele ist.

CBD und THC gegen das Rechts getauscht

MED: Was wünschst du dir von der österreichischen Regierung?

G: Ich wünsche mir vor allem, dass die Gesundheitsministerin Frau Dr. Oberhauser und die Bundesregierung von ihrer überholten Ideologie wegkommen, hin zu einer auf Fakten basierenden Betrachtungsweise der Materie. Ich wünsche mir, dass die Regierung menschlich handelt und den kranken Menschen im Land einen unbürokratischen Zugang zu Cannabis als Arzneipflanze öffnet. So wie es jetzt ist, kann es jedenfalls nicht bleiben. Wer Hanf als Arzneipflanze blockiert, handelt unmenschlich und ungerecht.

MED: Vielen Dank für das Interview! Ich wünsche dir alles Gute und wir drücken die Daumen, dass du und die Abertausenden anderen Patienten bald selbst anbauen dürft!