Cannabis in der Küche

Hanf als Nahrungsmittel

Die seit fast einhundert Jahren geführte Diffamierungskampagne gegen Cannabis hat auch seinen nicht psychoaktiven Verwandten, den Nutzhanf, in Mitleidenschaft gezogen. Der gesundheitsbewussten Ernährung ist es zum Teil zu verdanken, dass der Hanf nicht mehr nur als Mittel zur Entspannung im allgemeinen Bewusstsein präsent ist, sondern auch als nützliche Nährstoffquelle. Welche positiven medizinischen Wirkungen bringt der Konsum von Hanfspeisen wirklich?

Hanfsamen - LöffelSeine günstige biologische Zusammensetzung und seine wohltuende medizinische Wirkung verschaffen dem Hanfsamen einen wichtigen Platz in allen Haushalten. Eine besondere Rolle spielt er in der vegetarischen Küche, denn durch den Verzicht auf Fleisch müssen auf andere Weise eiweißhaltige Speisen zubereitet werden. Der Hanfsamen ist eine außergewöhnlich gute Eiweißquelle und bietet überdies all jenen eine Alternative, die Soja nicht vertragen. Drei Löffel Hanfsamen enthalten 11 Gramm Eiweiß, was ein Fünftel bis ein Viertel des täglichen Eiweißbedarfs eines Erwachsenen abdeckt. Darüber hinaus verfügt der Hanfsamen über einen hohen Ballaststoffgehalt, Vitamin E und Spurenelemente, Magnesium, Kalium und Eisen. Zudem finden sich in ihm alle neun essenziellen Aminosäuren. Er ist ebenfalls reich an Omegafettsäuren und enthält Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die entzündliche Vorgänge im Körper regulieren, in einem ausgewogenen Verhältnis von 1:3. Außerdem enthält der Hanfsamen die Omega-6-Fettsäure in der günstigsten Form, als Gamma-Linolensäure (GLA). Diese ist nicht nur der Hauptbaustein der entzündungshemmenden Hormone, sondern begünstigt auch den gesunden Stoffwechsel, trägt bei zur Gesundheit von Haaren, Nägeln und Haut und senkt den LDL-Cholesterinspiegel. Als ausgezeichnete Quelle für essenzielle Fettsäuren ist er gut bei degenerativen Erkrankungen mit ihrem charakteristischen Oxygenmangel verwendbar. Dank der günstigen Zusammensetzung des Hanfsamens werden die lebenswichtigen Organe und Gewebe mit Oxigen versorgt. Darüber hinaus ist er von Nutzen bei Herz- und Gefäßerkrankungen, Diabetes, Multipler Sklerose (MS), Immunsystemschwäche, Arthritis und Schmerzen, langsamer Wundheilung, Fehlfunktionen des Hormonsystems und bei verringerter Zeugungsfähigkeit. Weiterhin ist er förderlich bei Diäten, weil er die Magenwände mit einer besonderen Ölschicht überzieht und so das Hungergefühl drastisch reduziert. Mit Hanfsamen kann man abnehmen, ohne dass der Organismus Mangel an wichtigen Nährstoffen leidet. Bleibt also nur noch die Frage offen, in welcher Form wir ihn konsumieren sollen.

Hanfsamen Lebensmittel

Hanfsamen und Hanfmehl

Die erste und naheliegendste Möglichkeit ist der Verzehr der Hanfsamen selbst. Dafür gibt es zahlreiche Methoden. Die rohen, ungeschälten Hanfsamen kann man schlecht kauen, daher empfiehlt es sich, sie gemahlen in Shakes zu sich zu nehmen. Geschält kann man sie wie Sonnenblumenkerne knabbern. Die verbreitetste Darreichungsform ist der geröstete Hanfsamen – man kann ihn einfach so essen oder in Joghurt, im Salat oder in jeder beliebigen Speise genießen. Der Hanfsamen verfügt über einen sehr hohen Ölgehalt von insgesamt 30%. Extrahiert man ihn, erhält man eine dicke Masse. Gemahlen, als Hanfmehl, kann man ihn zum Backen verwenden. Jedoch nicht pur, denn dann ist er zu kompakt. Kombiniert mit anderen Mehlsorten ergibt sich jedoch eine geschmeidigere Mischung von einzigartigem Nährwert, deren Geschmack an Nüsse oder Erdnüsse erinnert. Zum Backen empfiehlt sich ein Mischungsverhältnis von 1/5 Hanfmehl und 4/5 Weizen-, Hafer- oder anderem Mehl. Mit Hanfmehl gebackenes Brot oder Kuchen ist reich an Ballaststoffen, enthält die Omegafettsäuren des Hanfsamens, Vitamine, Spurenelemente und leicht verdauliches Eiweiß. Das Hanfmehl bietet allen eine Alternative, die gluten- oder mehlempfindlich sind. Aber auch Erdnuss- und Zuckerallergiker können es ohne Vorbehalte genießen, denn allergene Wirkungen sind nicht bekannt.

 

HanfölHanföl

Hanföl, auch Hanfsamenöl genannt, wird durch Pressung gewonnen. Die Farbskala des kalt gepressten, nicht raffinierten Hanföls reicht von klar bis dunkelgrün. Der Geschmack ist nussig. Je dunkler die Farbe des Öls, desto intensiver entfaltet sich in ihm die Geschmackswelt des Hanfs. Hanföl ist nicht mit Haschischöl zu verwechseln, das aus Cannabisblüten hergestellt wird und im großen Maße THC und sonstige Cannabinoide enthält, die ihm ein hervorragendes Heilpotenzial verleihen. Raffiniertes Hanfsamenöl ist rein und farblos, sein Geschmack kaum spürbar. Im Raffinerieverfahren gehen alle natürlichen Vitamine und Antioxidantien verloren, die das nicht raffinierte Hanfsamenöl enthält. Üblicherweise wird es nicht in der Lebensmittelindustrie, sondern in erster Linie in Körperpflegemitteln eingesetzt. Bei der Herstellung von Schmiermitteln, Farben, Tinten, Treibstoffen und Kunststoffen spielt der Nutzhanf eine große Rolle. Das nicht raffinierte Hanfsamenöl wird aus Cannabissorten gewonnen, die nur geringe Mengen an THC enthalten. Im Herstellungsprozess werden die Samen gereinigt und anschließend gepresst. Der Hanfsamen selbst enthält kein THC, dennoch kann das hergestellte Hanföl Spuren davon enthalten, da es möglich ist, dass bei der Herstellung Pflanzenteile in vernachlässigbarer Menge an der Samenoberfläche kleben bleiben und in das Endprodukt gelangen. Hanfsamen bestehen zu 30–35% aus zum Verzehr geeignetem Öl, das sich zu etwa 80% aus essenziellen Fettsäuren zusammensetzt. Schon ein Esslöffel (etwa 15 ml) Hanfsamenöl können den Tagesbedarf eines Erwachsenen an essenziellen Fettsäuren vollkommen abdecken. Im Gegensatz zu Leinöl beispielsweise kann es tagtäglich konsumiert werden, ohne Gefahr, dass im Organismus ein Mangel oder ein Ungleichgewicht von essenziellen Fettsäuren auftritt. Der Energiegehalt des Hanföls beträgt 9 kcal/g, ähnlich wie bei anderen Pflanzenölen. Der Gehalt an gesättigten Fettsäuren ist im Vergleich zu anderen Speiseölen niedrig. Öle mit einem hohen Gehalt an Fettsäuren, besonders solche von geringerer Qualität, können leicht spontan oxidieren und in relativ kurzer Zeit ranzig werden, wenn sie nicht richtig, nämlich kühl, dunkel und in Glasflaschen, gelagert werden. Hanfsamenöl kann, wenn man es länger lagern möchte, auch eingefroren werden. Öle von guter Qualität benötigen zudem keinerlei Konservierungsmittel (Antioxidationsmittel), wenn man sie richtig lagert. Die Hitzeverträglichkeit des Hanfsamenöls ist relativ niedrig, daher ist es zum Backen und Braten nicht geeignet. Hanfsamenöl lässt sich in erster Linie für Salate verwenden. Noch eine gute Nachricht für alle, die an Hautkrankheiten leiden: Hanfsamenöl lindert erwiesenermaßen Exzemsymptome.