Cannabis blüht in den USA

Zustimmung zur Legalisierung auf historischem Hoch

Nur noch ein paar Wochen sind es, bis der gesetzlich geregelte Marihuanahandel tatsächlich beginnt. In den Vereinigten Staaten erreichte die Unterstützung für die Legalisierung landesweit einen historischen Höchststand. Die glücklichen Drogenreformer mahnen zwar zur Bedachtsamkeit, entwickeln aber schon die Regulierung für weitere Bundesstaaten.

 

Nicht mehr nur in Colorado und Washington, sondern in den gesamten USA stellte sich die Bevölkerung hinter die Legalisierung. In der Gallup-Umfrage, die seit 1969 jährlich erstellt wird, stieg der Anteil der Legalisatoren dieses Jahr auf einen historischen Höchststand. 2011 holten die Unterstützer der Legalisierung – nach zehn Jahren kontinuierlichen Anstiegs – endlich die Anhänger des Verbots ein. Dies bestätigten auch die Umfrageergebnisse zur Legalisierung im Jahre 2012. In zwei von drei Staaten stimmte man für einen legalen Marihuanamarkt unter staatlicher Kontrolle. Eine Umfrage vom Oktober 2013 zeigt auch schon, wie sehr die Bevölkerung mit dem aktuellen Aufbau des freien Handels übereinstimmt, beziehungsweise es unterstützen würde, wenn das ganze Land dem Beispiel von Colorado und Washington folgen würde. Und siehe da! Innerhalb von zwei Jahren erhöhte sich die Zahl der Legalisierungsunterstützer um weitere 8%, nach den neuesten Erhebungen möchten 58% der Befragten Cannabis und die aus ihm gefertigten Produkte in Läden unter staatlicher Regie sehen, während insgesamt 39% glauben, es sei besser, das Ganja in den Händen der Drogenkartelle zu lassen.

Eine Woche nach Veröffentlichung der Umfrageergebnisse wurde die Internationale Drogenreform Konferenz in Denver, Colorado, eröffnet, wo Ethan Nadelmann, der Gründer der Drug Policy Alliance (DPA), die Abstimmung als Wendepunkt bei der Marihuanalegalisierung wertete. Neben der beispiellosen Unterstützung, fügte er hinzu, kennzeichne dies das Beispiel Colorados und Washingtons und in einem weiteren Sinn auch die unmittelbar bevorstehende Legalisierung in Uruguay. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass, obwohl die Entwicklungen optimistisch stimmten, in 48 Staaten der USA noch immer das Verbot in Kraft ist und nur in einem der fast 200 Länder der Welt die gesetzliche Reglementierung von Marihuana verwirklicht wird. Er wies darauf hin, dass die Drogenpolitik in der Geschichte der USA mit negativen Erscheinungen wie Rassismus und Massenverhaftungen verbunden sei, die mit der Legalisierung auch an einen Wendepunkt gelangen könnten, sodass man die Folgen der zukünftigen Schritte in diesem Bewusstsein abwägen müsse. Man müsse also vernünftig sein und es auch auf sich nehmen, wenn die Praxis der Gesetzesregelung strenger als gerechtfertigt ausfalle.

Anpassung

Die Bevölkerung von Colorado folgte dem Präsidenten der Drug Policy Alliance offenbar aufs Wort und stellte Anfang November ihre Selbstdisziplin unter Beweis. Sie stimmte für den relativ hohen Steuersatz von 25% auf Cannabis und beschloss, die ersten eingehenden 40 Millionen Dollar für den Bau staatlicher Schulen zu verwenden. (Die Steuern auf alkoholische Getränke bewegen sich in Colorado zwischen 5 und 15% – Der Red.) Und das alles, obwohl die Öffentlichkeit vor Kurzem eine Steuererhöhung abgelehnt hat, die ebenfalls zur Finanzierung von Schulen gedient hätte.

John Hickenlooper, dem Gouverneur von Colorado zufolge hatten 65% der Wähler für höhere Steuern gestimmt. Weiterhin sagte er, dass die eingehende Steuersumme auch dazu dienen werde sicherzustellen, dass Minderjährige nicht an Marihuana gelangten, und man darauf achten werde, dass sich niemand in einem durch Marihuana veränderten Bewusstseinszustand hinters Steuer setze.

Die Polizei von Denver möchte sogar Geruchsbelästigungen vorbeugen. Im Jahr 2010 waren nur sieben Anzeigen wegen Grasgeruchs eingegangen, diese Zahl stieg letztes Jahr auf sechzehn. Damit stand jede achte Anzeige wegen unangenehmen Geruchs in Verbindung mit Marihuana. Daher sei es an der Zeit, einen Geruchsalarm einzuführen – wie die Polizei von Denver befand. Sie beschaffte eilends einige Geruchsteleskope (wissenschaftlicher Name: Olfaktometer), die, an das Nasenloch gehalten, auf Kilometer Entfernung saftige Sorten im Freiland erschnüffeln können. Es ist schwer, sich des Gedankens zu erwehren, dass der Geruchspolizei diese Idee nach dem Genuss einiger aromatischer Sorten kam.

Vorgezogene Wahlen

Die Wende in der öffentlichen Meinung zum Marihuana zeigt auch die Tatsache, dass sich immer neue Kandidaten melden. In Portland, der größten Stadt im Bundesstaat Maine, wurde darüber abgestimmt, ob der Besitz von bis zu 2,5 Unzen (70 Gramm) Marihuana strafbar sein soll. Fast 70% der Bevölkerung stimmte dafür, dass keine Sanktionen für den Besitz einer Menge von weniger als 70 Gramm verhängt werden sollen. Diese Entscheidung kann man natürlich nicht echte Legalisierung nennen, da sie nur den Besitz erlaubt, nicht aber den legalen Vertrieb von Cannabis. Dennoch verkündete drei Tage nach der Abstimmung der Polizeikommandant von Portland, die Polizei werde sich an die Gesetze des Bundesstaats halten, die durch eine Verordnung der Stadt nicht aufgehoben würden und nach denen für den Besitz von bis zu 2,5 Unzen eine Geldbuße von bis zu 600 Dollar verhängt werden könne. Um jedoch den Konsumenten gleichzeitig sein Mitgefühl zu bekunden, fügte er hinzu, die Behörde sei nicht darauf aus, kleine Fische zu fangen, sondern die Hersteller und Vertreiber großer Mengen. Er sehe eine gute Chance, dass das Ergebnis der Abstimmung sich auch im Bundesstaat durchsetzt, was das Dilemma der Polizei lösen würde, zu entscheiden, auf welcher Gesetzesgrundlage sie agiert.

Inzwischen wird die Frage konkret, in welchen Bundesstaaten der Öffentlichkeit als Nächstes diese gewisse Frage zum Thema Marihuana vorgelegt werden soll. Nach dem wahrscheinlichsten Szenario wird Oregon im Jahr 2014 erneut ein Referendum über die Legalisierung abhalten, diesmal in der Gesellschaft von Alaska und Rhode Island. Die Führer der Reformbewegung glauben, dass es trotz der jahrelangen Vorbereitungen praktischer wäre, in Kalifornien, Wyoming und Arizona mit dem Referendum bis 2016 zu warten, aber die landesweite Zustimmung von 58% könnte die Ereignisse beschleunigen, sodass eine Abstimmung für 2014 nicht undenkbar ist.

 

Was auch das Smartphone nicht weiß

Den Legalisatoren ist seit Langem bekannt, dass der Staat eher dazu neigt, wirtschaftliche Argumente anzuhören als Berufungen auf die Menschenrechte. Dem kommen die Marktforscher von ArcView Market Research entgegen, die im November ihre Studie über die beobachteten Geldflüsse auf dem legalen Cannabismarkt publizierten. Sie errechneten, dass im Jahr 2013 Marihuana im Wert von insgesamt 1,43 Milliarden Dollar verkauft werden wird, vor allem in Cannabisapotheken. 2014 wird durch den auch praktisch umgesetzten legalen Marihuanamarkt in Colorado und Washington und die weitere Ausbreitung der medizinischen Programme Marihuana im Wert von 2,34 Milliarden Dollar den Besitzer wechseln – so schätzen die Forscher. Dies bedeutet eine einzigartige Umsatzsteigerung von 64%, die sogar den Sektor übertrifft, der in den letzten Jahren die größte Entwicklung aufwies, nämlich das Smartphone-Geschäft, dessen Umsatz von 2012 bis 2013 um 46% anstieg. “Cannabis ist eine der am schnellsten wachsenden Branchen”, resümiert der bekannte Fachmann Steve Berg die Ergebnisse der Studie mit dem Titel ‚State of Legal Marijuana Markets‘. “Wir fanden keinen einzigen einheimischen Markt, der ähnlich schnell wächst”, äußerte er sich über die außergewöhnliche Natur der Ergebnisse. Im Internet verbreitet sich inzwischen ein neues Mem mit den Worten “Wenn du glaubst, dass Geld nicht auf Bäumen wächst, kennst du das Marihuanabusiness nicht.” Nun, wenn diese Wachstumszahlen den Regierungen der Welt keine Lust auf die Legalisierung machen, dann hilft wohl gar nichts!