Blütezeit für Cannabispatienten

Cannabis Social Clubs auch in Österreich

Willi Wallner ist 55 und selbst ein Cannabispatient, der mit der aktuellen Situation in Österreich nicht zufrieden ist. Deshalb hat er sich mit Gleichgesinnten zusammengetan und in Salzburg den ersten Cannabis Social Club (CSC) des Landes gegründet.

Cannabis Social Club Salzburg

Medijuana: Seit wann ist es rechtlich möglich, in Österreich CSCs zu gründen und zu betreiben?

Willi Wallner: Gründen und betreiben sind ja schon mal zwei völlig verschiedene Sachen – wir machen hier einfach nur einen Schritt nach dem anderen. Meine Krankengeschichte ist ja in gewisser Weise ein Beleg dafür, dass hier noch eine ganze Menge getan werden muss – deshalb habe ich mich mit Legalize! Europe in Verbindung gesetzt und vorgeschlagen, ganz konkret hier in Salzburg etwas zu tun. Am besten wäre es doch, hier gleich einen CSC zu gründen. Das fand man dort sehr interessant und so hat sich die Sache entwickelt – man hat dann die Statuten des CSC verfasst und ihn als Verein gegründet. Das hat in Salzburg soweit ganz gut geklappt, in Linz dagegen wurde die Gründung eines ähnlichen Vereins abgelehnt – obwohl hier identische Statuten verwendet wurden. Schon daran kann man sehen, dass in Österreich nicht alles überall gleich ist.

MED: Wie werbt ihr in der Öffentlichkeit dafür, den CSC nach der Gründung auch wirklich betreiben zu können?

WW: Zum einen nehme ich jede Möglichkeit für Interviews und öffentliche Erklärungen wahr – außerdem versuche ich auch immer, möglichst viele Gleichgesinnte zusammenzukriegen, wenn wir zum Beispiel den “Hanfwandertag” in Salzburg im Rahmen des GMM organisieren. Ansonsten planen wir auch eine mediale Eröffnungsphase, in der wir mit unserem Anliegen und ganz vielen Aktivisten, Patienten und Ärzten an die Öffentlichkeit gehen und über unsere Ziele informieren. Während dieser medialen Aktion, die drei bis sechs Monate laufen wird und an der 30 bis 40 Aktivisten und Ärzte beteiligt sind, werden wir neben Pressevertretern auch Behördenvertreter und die Polizei einladen – so hoffen wir nach der medialen Eröffnungsphase einen großen öffentlichen Druck aufgebaut zu haben, der uns entsprechend Rückendeckung gibt und es uns ermöglicht, einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung einzureichen bzw. einen von den Grünen unterstützten Modellversuch zu beginnen – der Modellversuch würde dann unter meiner Leitung als Obmann zunächst ein Jahr lang laufen. Danach wird dann jeder erkennen, wie wichtig und notwendig ein medizinischer CSC in Salzburg ist, und die Behörden werden den Club dann hoffentlich weiterlaufen lassen.

Blütezeit für CannabispatientenMED: Welche konkreten Schritte seid ihr auf dem Weg zum ersten österreichischen CSC bereits gegangen?

WW: Ja, immerhin haben wir inzwischen schon eine geeignete Lokalität mit passenden Räumlichkeiten gefunden – die könnten wir drei Monate lang kostenlos renovieren und dann für ein Jahr mieten. Konkret fehlt es uns da noch an einem ausgefeilten Konzept und Kostenplan, um loslegen zu können. Ich selbst und viele Mitstreiter haben bisher schon eine Menge Geld und Arbeit investiert. Was wir hier gerade planen, ist ja kein normaler CSC, wie es ihn zum Beispiel in Spanien gibt – uns schwebt hier eher ein CSC für Cannabispatienten vor. Dabei müssen wir natürlich genau darauf achten, dass wir uns stets im legalen Rahmen bewegen – schließlich will ja keiner von uns strafrechtlich belangt werden. Sobald der Club dann soweit aufgebaut ist – so wie ein vernünftiger CSC eben aufgebaut sein muss – werden wir so tun, als ob unser CSC bereits läuft. Dann können da auch gerne Leute vorbeikommen und sich alles im Detail erklären lassen: wie die Buchführung geht oder wie ein Patient als Mitglied aufgenommen werden kann bis hin zu den konkreten Modalitäten der Ausgabe.

MED: Wie soll es dann weitergehen?

WW: Wir arbeiten ja derzeit nach einem bestimmten Plan, der auch von Legalize! EU begleitet wird – das heißt, wir gründen jetzt Fachabteilungen, die die notwendige Struktur reinbringen, und versuchen dann hier in Salzburg, den ersten CSC durchzubringen. Dann kommt der nächste CSC in Wien und so weiter. Das Schöne daran ist, dass wir ja alle miteinander vernetzt sind und so alles immer wieder benutzt werden kann – ich glaube, genau das ist der Weg. Wir müssen einfach eine starke Gemeinschaft bilden, die sich gegenseitig unterstützt.

You can share this: