Bist Du gläubig?

Chvrches: The Bones of What You Believe

The Bones of What You Believe ist der überraschend packende Erstling des schottischen Synthie-Pop-Trios Chvrches, dem die Kritiker gerne das Etikett Indie-Pop anhängen. Zur Veröffentlichung im September gab es eine Singleauskopplung mit drei Songs, die mäßigen Erfolg hatte. Erstaunlich, denn The Mother We Share, Recover und Gun sind durchweg starke Songs, und man hätte jedes andere Lied des Albums auskoppeln können, denn jeder Track ist ein Schlager im positiven Sinn des Wortes.

Hauptmerkmal der Musik von den Chvrches ist die Melancholie. Es gibt viele Künstler, die melancholische Musik machen – in der richtigen Dosierung kann Melancholie eine starke Wirkung haben, ihre Dosierung erfordert jedoch Feingefühl. Im Übermaß schlägt sie leicht in Affektiertheit und Geschluchze um.

Bei den langsameren Nummern der Platte haben die Komponisten mit der Goldwaage gearbeitet, und die Kleinmädchenstimme von Lauren Mayberry passt perfekt zu dieser Stimmung. Die Chvrches machen keine lupenreine Popmusik. Es ist sinnlos, die Texte enträtseln zu wollen, sie handeln in erster Linie von Gefühlen und sind zum Glück nicht überspannt. Die Musik bildet primär den Hintergrund für die Stimme, die im Mittelpunkt steht. Man spürt die Indie- und Postrockvergangenheit der Komponisten, denn der größte Teil der Songs folgt Rockmustern. Wenn in der Musik mit ihren starken Elektrofundamenten bisweilen eine Gitarre oder Männergesang auftaucht, dann wirkt das sehr erfrischend.

Obwohl es keinen richtigen Medienrummel um die Chvrches gibt, scheint die Karriere der Band vorbestimmt – wenn man weiß, dass die Fans für die Sängerin eine Homepage gebaut haben und sie in die Top 5 von BBC Sound gelangt sind. Mit The Bones of What You Believe haben sie die Erwartungen sehr hochgeschraubt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.