Autoflowering White Russian #1

Serious Seeds’ Premiere auf der Sorten-Autobahn

Es brauchte seine Zeit, bis Serious Seeds mit einer eigenen Auto-Sorte auf den Autoflowering-Wagen aufsprang – solche Sachen dauern dort stets etwas länger, aber der löbliche Grund dafür liegt in dem hohen Qualitätsanspruch, dem sich Serious Seeds verschrieben hat, zum Wohle des Kunden. Sie haben es nie eilig, werfen nicht hastig minderwertige oder mittelmäßige Sorten auf den Markt, nur um möglichst schnell einem aktuellen Hype zu folgen. Schon seit Längerem waren in den Testgärten von Serious Seeds Autoflowering-Zuchtexperimente im Gange und Simon, der Inhaber und Züchter von Serious, benötigte über zwei Jahre, um seine allererste Auto-Sorte Autoflowering White Russian #1 (AWR #1) zu züchten. Über die legendäre White Russian braucht man hier nicht viele Worte zu verlieren, mit 22 % THC zählt dieser superbe Evergreen zu den potentesten Sorten, die es gibt. Sie ist eine Mostly-Indica-Kreuzung aus Serious Seeds’ eigener AK 47 und der berühmten White Widow. Simon wählte Joint Doctor’s Lowryder #2 als Kreuzungspartner für White Russian aus, um Autoflowering White Russian #1 (Lowryder #2 x White Russian) zu kreieren. Der Zusatz “#1” zeigt an, dass Serious Seeds beabsichtigt, diese Sorte auch in Zukunft weiterzuentwickeln. Eines Tages wird also Autoflowering White Russian #2 folgen. Und Simon gibt auch ganz ehrlich zu, dass AWR #1 noch nicht rundum perfekt ist. Während ihr Flavour und ihre Potenz bereits hervorragend sind, produziert sie momentan noch zwei unterschiedliche Phänotypen: einen mit einer etwas luftigeren Blütenstruktur, der weniger Ertrag abwirft als der zweite, welcher dichtere Buds bildet und glücklicherweise öfter vorkommt als der erste. Die Erträge können also variieren bei AWR #1, laut Serious Seeds zwischen 10-20 g, was recht wenig klingen mag, verglichen mit den Auto-Strain-Ernteangaben, die andere Seed Banks versprechen. Aber meiner Erfahrung nach fallen etliche andere Auto Strains in Wahrheit ebenfalls in die Erntekategorie 10-20 g… Serious Seeds wirbt seriöserweise eben nur nicht mit irreführend hohen Ertragszahlen. Autoflowering White Russian #1 hat vom Samen (nach erfolgter Keimung) bis zur Reife einen Lebenszyklus von 70-80 Tagen und erreicht allgemein Höhen von 70-100 cm. Serious Seeds weist indessen ausdrücklich darauf hin, dass es eminent wichtig bei der Kultur von AWR #1 ist, vom Start weg große Töpfe zu verwenden – nur so kann das ganze Potenzial dieser Sorte ausgereizt werden. Während natürlich auch andere Anbaufaktoren wie Licht und Temperatur hierauf Einfluss haben, hat Simon in zwei groß angelegten Topfgrößen-Vergleichskulturen herausgefunden, dass es für mehr Höhe und Ertrag von zentraler Bedeutung ist, erstens große Töpfe, z. B. 9 Liter, zu verwenden, und zweitens, die gekeimten Samen direkt in den Endtopf zu pflanzen und nicht erst in einen kleineren Topf: “Bei einem Test-Grow verwendeten wir anfangs kleine Erdtöpfe, und als die Pflanzen die ersten echten Blätter gebildet hatten, topften wir sie in größere Töpfe mit einem Volumen von 9 Litern um. Die Endhöhen betrugen dann im Wesentlichen um 40 cm, einige Pflanzen hatten auch ca. 60 cm erreicht. Bei einem zweiten Test, bei dem wir die Sämlinge direkt in die 9-l-Endtöpfe einpflanzten, erreichten wir jedoch Pflanzenhöhen von 80-100 cm und teilweise sogar 110-120 cm. Dies veranlasste mich zu der These, dass die Rückmeldung, die von der Pfahlwurzel an die gesamte Pflanze gegeben wird, wenn sie schnell auf eine undurchdringliche Wand stößt (den Boden eines kleinen Topfes), offenbar einen ganz direkten, hemmenden Einfluss auf die Endhöhe der Pflanze hat. Und außerdem: Wenn die Pflanze einen kleinen Topf bereits zu einem frühen Zeitpunkt voll durchwurzelt hat (“root-bound” ist), scheint sie eher in Blüte zu gehen. Aber ich muss erst noch eine direkte Vergleichskultur mit 50 % kleinen und 50 % großen Töpfen durchführen, um all diese Beobachtungen zu erhärten. Die Ergebnisse eines deutschen Outdoor-Growers bestätigten allerdings, was Simon herausgefunden hatte, sodass man getrost davon ausgehen kann, dass bei der Kultur von AWR #1 die Verwendung großer Töpfe und das direkte Einpflanzen gekeimter Samen in den Endtopf wesentliche Einflussfaktoren sind.

Je mehr Licht Autoflowering White Russian #1 erhält, desto besser ist ihre Wachstums- und Blüte-Performance. Es ist also empfehlenswert, sie rund um die Uhr mit Licht zu versorgen. Was die Outdoor-Kultur anbetrifft, weist Simon darauf hin, dass AWR #1 anfällig für Mehltau sein kann in einer Periode dauerhaft regnerischen Wetters. Er empfiehlt daher, die Pflanzen jeden Tag daraufhin zu prüfen und sie womöglich lieber etwas früher zu ernten, wenn bereits Mehltau aufgetreten ist und die Reife nicht mehr weit entfernt ist.

Zwei andere deutsche Grower, Mr. Power Planter und Ellis D., unterzogen AWR #1 in diesem Sommer ebenfalls einem Anbautest – beide unter natürlichem Licht, der eine im Garten, der andere auf dem Balkon. Ellis D. startete seine Kultur jedoch drei Wochen früher als Mr. Power Planter, am 2. Juni. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nichts von der Empfehlung, von Anfang an große Töpfe zu verwenden, ebenso wenig Mr. Power Planter. Und so setzte Ellis D. drei AWR #1-Seeds in Jiffy Pots und pflanzte diese nach der Keimung zunächst in 1-l-Töpfe, befüllt mit Sämlingserde. Weil das Wetter schlecht war – kalt und regnerisch, entschied er, die Sämlinge unter zwei fluoreszierende Röhren zu stellen, wenn es draußen bewölkt oder regnerisch war, und sie nur dann auf den Balkon zu stellen, wenn dort die Sonne schien. Durch den Lampeneinsatz verlängerte er die Photoperiode auf ungefähr 22 Stunden pro Tag. Diese Praxis behielt er fünf Wochen lang bei. Nach 12 Tagen pflanzte Ellis D. die drei Plants in 6,5-l-Töpfe um, befüllt mit Plagron Standard Mix. Nach drei Wochen waren sie sehr kompakt gewachsen und maßen 18, 21 und 23cm. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle drei bereits die ersten weiblichen Vorblüten gebildet, sie waren also dabei, sich auf den Eintritt in die Blütephase vorzubereiten. Nach fünf Wochen wurde das Wetter besser, mit viel Sonnenschein, und die Vorhersage für die nächsten Wochen war gut, sodass Ellis D. die Pflanzen von nun an nur noch auf dem Balkon hatte. Sowohl der Blüte-Einfluss als auch das Sonnenlicht veranlassten die drei Pflanzen dazu, sich in den ersten drei Blütewochen noch etwas zu strecken, aber im Alter von sechs Wochen schien das Höhenwachstum dann am Ende angelangt zu sein, bei nur 24, 30 und 33cm und kurz angelegter Seitenverzweigung. Was, wie wir wissen, wohl der Tatsache geschuldet war, dass Ellis D. am Anfang kleine Töpfe verwendete und dann auch nur in 6,5-l-Töpfe umtopfte. Auch das weißblaue Spektrum der beiden Cool-White-Röhren, die er in den ersten fünf Wochen eingesetzt hatte, dürfte zu der niedrigen Höhe beigetragen haben.

Nun, die drei AWR #1-Plants waren zwar klein in der Höhe, aber zum Glück ziemlich groß in der Blütenproduktion! Nach acht Wochen, also nach fünf Wochen Blüte, war die Blütenformation bereits sehr dicht und hübsch anzusehen, die Buds sahen sehr Indica-mäßig aus, wiesen aber ein ansprechend hohes Blüten/Blätter-Verhältnis auf. Und an den Blüten befanden sich auch schon gute Harzmengen, die für einen fruchtig-süßen Geruch sorgten. Die mittlere Pflanze entsprach indessen dem Phänotyp mit nicht ganz so dichter Blütenbildung, wobei sie den anderen in Sachen Harzproduktion aber nicht nachstand. Ungefähr zwei Wochen später, als die Pflanzen nach 71-, 74- und 79-tägigen Lebenszyklen vollständig zur Reife gelangt waren, hatten sie schöne Top-Colas von sehr respektabler Größe gebildet. Die beiden fetteren Exemplare waren sogar recht klobig und steinhart, sie erinnerten an die originale White-Russian-Sorte. Mit dem Harzbesatz der drei AWR #1-Plants war Ellis D. sehr zufrieden, und ihr Geruch war fantastisch – total süß und auch etwas fruchtig. Die Erntearbeit war naturgemäß schnell erledigt, und nachdem er die Buds getrocknet hatte, war er nicht allzu überrascht davon, dass die beiden etwas besseren Pflanzen mit ihren Erträgen von 15 bzw. 17 g im oberen Bereich des von Serious Seeds angegebenen Ertragspotenzials rangierten, dank ihrer exzellenten Budstruktur. Die dritte Pflanze lag bei 12 g Ertrag. Das Testrauchen der AWR #1-Buds ergab, dass diese erste Serious Auto-Sorte erstaunlich potent ist, einen starken Indica Head- und Body-Turn erzeugt, der über eine Stunde lang anhält und Ellis D. nicht total paralysierte, sondern tief entspannte, und als die Wirkung am Ende abgeklungen war, auch mit einem Gefühl von Erfrischtheit zurückließ. Daumen hoch auch für den angenehm süßen und milden Geschmack.

Mr. Power Planter kultivierte ebenfalls drei Autoflowering White Russian #1-Plants, im Gegensatz zu Ellis D. jedoch pflanzte er die gekeimten Samen direkt in 9-l-Töpfe, und er startete seine Kultur drei Wochen später als sein Testkollege. Was sich als gute Entscheidung erweisen sollte, weil das Wetter dann zwei Wochen später viel besser wurde – wärmer und heller. Eine Woche nach der Keimung stellte Mr. Power Planter die AWR #1-Pflanzen in seinen Garten mit Südausrichtung. Wo sie sich sehr gut machten und schon bald anschickten, größer und höher als die Pflanzen von Ellis D. zu werden, zudem bildeten sie deutlich längere Seitentriebe. Eine Pflanze war jedoch etwas kleiner als die anderen beiden. Nach 3-3,5 Wochen setzte der Autoflowering-Effekt ein und sorgte in den folgenden Wochen für überraschend fette und rundliche Top-Buds, die auch hübsch harzig waren, wie die von Ellis D.; tatsächlich sogar noch etwas harziger und dementsprechend auch noch etwas intensiver riechend, wobei das Aroma an sich genau gleich war, fruchtig-süß. Mr. Power Planters AWR #1-Plants waren nach 72, 74 und 79 Tagen reif. Sie waren am Ende bei Höhen von 37, 49 und 55 cm angelangt und hatten entsprechend höhere Erträge geleistet als die Pflanzen von Ellis D.: 18, 21 und 23g, die Erntezahlen von Serious Seeds waren in zwei Fällen also sogar leicht überschritten worden. Und die These, dass es besser ist, große Töpfe zu verwenden und die gekeimten Samen direkt in den Endtopf zu setzen, ist abermals bestätigt worden.

Auch Mr. Power Planter war beeindruckt von der Indica-Stärke von Autoflowering White Russian #1 – diese Sorte erwies sich als die potenteste Auto Strain Smoke-Erfahrung, die er bisher gemacht hatte. Nun freuen sich Ellis D. und Mr. Power Planter auf Auto Kali Mist (die nächste Serious Auto-Sorte, befindet sich in Arbeit), Auto AK-47, Auto Bubble Gum und Auto Chronic…

You can share this: