Auf Schizophrene wirkt Marihuana heilsam

Diejenigen, die für eine Verschärfung der Sanktionen im Zusammenhang mit Marihuana kämpfen, betonen besonders gerne, dass sich ein enger Zusammenhang zwischen dem Entstehen von Schizophrenie und Graskonsum nachweisen lässt. In einem Forschungsprojekt jedoch, das sich in seiner Methodik durchaus als bahnbrechend bezeichnen lässt, wurde nun die Gleichung umgestellt, und anstatt an die Psychiater wandte man sich an die Schizophrenie-Patienten, die einstimmig darlegten, dass ihre Krankheit überhaupt nichts mit dem Graskonsum zu tun habe.

Vielleicht erinnern wir uns noch an die Wellen, die die Angelegenheit dank der britischen Tageszeitung The Independent schlug: vor gut drei Jahren, 2009, erschien ein Leitartikel, der sich in theatralischem Tonfall dafür entschuldigte, dass man über Jahre hinweg die Legalisierung unterstützt habe, allerdings habe sich nun herausgestellt, dass die heutigen, wesentlich stärkeren Sorten mit größerer Wahrscheinlichkeit zu Schizophrenie führen. Viele Politiker zitieren diesen Artikel noch heute. Leider blieb uns der Satz, der vier Monate später – quasi als Rückzieher nach der Entschuldigung – in der Zeitung erschien, viel weniger in Erinnerung: “mittlerweile wurde nachgewiesen, dass der Konsum von Cannabis auch im schlimmsten Fall das Risiko der Entstehung von Schizophrenie lediglich um 1% steigern kann”. Seitdem wurde auch ein Forschungsprojekt an 600 Tausend (!) Patienten über 10 Jahre hinweg geführt, und zwar die Untersuchung der Keele Universität in Staffordshire, bei der man feststellte, dass obwohl die Zahl der Gras konsumierenden Jugendlichen in letzter Zeit angestiegen ist, die Zahl der mit Schizophrenie behandelten Patienten sank. Also kann es sein, dass das Marihuana – ganz im Gegensatz zu den ursprünglichen Annahmen, eine schütz-ende Wirkung hat? Eine andere Forschungsarbeit lässt genau darauf schließen.

Gewiss nicht wegen seiner zahlenmäßigen Ergebnisse jedoch wegen seiner Methodologie ist die niveauvolle Untersuchung eines schweizerischen Forschungsteams, deren Ergebnisse im September 2010 im Harm Reduction Journal erschien, auf jeden Fall als innovativ anzusehen. Die Studie stützt sich auf ein Tiefeninterview mit 10 in der Psychiatrischen Klinik der Züricher Universität behandelten Schizophrenie-Patienten. Wer davon ausgeht, dass die Schizophrenie-Patienten die neuen Werbegesichter für die Antidrogen-Kampagne werden, den müssen wir leider enttäuschen: Die für die Studie ausgewählten Patienten erklärten einstimmig, dass zwischen ihrem Marihuanakonsum und dem Ausbruch ihrer Schizophrenie-Erkrankung keinerlei ursächlicher Zusammenhang bestünde. Ganz im Gegenteil, vier der Patienten sprachen dem Marihuana therapeutische Wirkung auf die Schizophrenie zu und verwiesen auf die positiven Effekte, die die Droge als Beruhigungsmittel und im Bereich der Bekämpfung von Angstzuständen habe. Und dies alles obwohl ziemlich bekannt ist, dass in der Schweiz Ganjas mit recht hohen Oktanzahlen im Umlauf sind. Genau aus diesem Grunde empfahlen die Forscher den Klinikexperten dringend, die bisherige Hypothese, dass Cannabis-Konsum bei Patienten, die eine Neigung für diese Krankheit aufweisen, zum Ausbruch derselben führen könne, nochmals kritisch zu hinterfragen.

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