Auf Facebook legalisieren

Vielleicht erinnern nicht nur wir uns an den seltsamen Schachzug von Facebook im vorletzten Jahr, als Facebook während der Legalisierungskampagne in Kalifornien 2010 sämtliche Anzeigen, die die Legalisierung unterstützten, auf dem sozialen Netzwerk untersagte, gleichzeitig aber die Facebook-Gründer Gras-befürwortende Aktivisten mit 170.000 Dollar unterstützten. Zum Glück konnte der Medienriese innerhalb von zwei Jahren seiner Schizophrenie Herr werden, und so können die Legalisierer von Washington und Colorado ganz selbstverständlich ihre frohen Botschaften auf Facebook verkünden. Zur Änderung der Bestimmungen hatte allerdings nicht die reine Vernunft und Einsicht geführt. Es war zusätzlich das Einschreiten der Amerikanischen Bürgerrechtsunion und noch einiger weiterer Rechtsschutzorganisationen nötig, um darauf hinzuweisen, dass es nicht korrekt sei, wenn bezüglich einer staatenübergreifenden Frage nur die Argumente einer Partei (in diesem Falle der Verbotspartei) an die Wähler übermittelt werden dürften. Nach dieser erfolgreichen Intervention ist es schließlich auch gelungen, die denkende Ebene in der Facebook-Verwaltung davon zu überzeugen, dass es nicht Ziel der Kampagne ist, eine gebrandmarkte Pflanze oder eine als schädlich angesehene Leidenschaft populär zu machen, sondern dass es sich um knallharte Politik handelt, was nicht im Geringsten gegen die Richtlinien von Facebook verstößt. Jedoch verbietet das soziale Netzwerk zum Beispiel die Werbung für E-Zigaretten, Zigarettenpapiere und Wasserpfeifen – mit der Begründung, dass der Gebrauch dieser Produkte gesundheitsschädlich sein kann. (Mit was für Sümmchen haben wohl Coca Cola, McDonald’s und Absolut Vodka die Sorgen der Zuckerbergs um die Gesundheit der User zerstreuen können?) Die Argumentation geht allerdings noch weiter, denn die Teilnahme an einer Abstimmung kann nun wirklich nicht als gesundheitsschädlich deklariert werden, höchstens Gleichgültigkeit und Hinnahme sind gefährlich. Facebook hat also letztendlich eine gute Entscheidung getroffen. Mal schauen, ob die Bürger der drei amerikanischen Staaten bei den Abstimmungen im November ebenfalls solch gute Entscheidungen treffen.