Anti-Einstiegsdroge Jul01

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Anti-Einstiegsdroge

Mit anderen Worten: Ausstiegsdroge. Diese Bezeichnung verleiht die Wissenschaft neuerdings dem Marihuana. Vor ein paar Jahrzehnten noch verbreitete sie, dass Menschen auf die schiefe Bahn geraten und bis zum Heroin keinen Halt mehr finden können, wenn sie Cannabis konsumieren. Die Wissenschaft klammerte sich an den Wahrheitsgehalt dieser Theorie so lange, bis sie zur gegenteiligen Überzeugung gelangte. Heute stehen so viele wissenschaftliche Studien zur Verfügung, die die Einstiegsdrogentheorie einen totalen Irrtum nennen, dass man damit eine ganze Bibliothek füllen könnte.

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Da Marihuana die weltweit verbreitetste Droge ist, wird sie von der Mehrheit eben aus diesem Grund zuerst ausprobiert. Wo aber sind die mehreren Millionen Heroinsüchtigen, die alle mit dem Grasrauchen angefangen haben? Es gibt Stimmen, die darauf hinweisen, dass KifferInnen ein mehrfaches Risiko eingehen, heroinabhängig zu werden. Gleiches lässt sich aber auch vom im Jugendalter begonnenen Nikotin- und Alkoholgenuss behaupten. Welches sind nun die Einstiegsdrogen? Nicht zuletzt ist es der Illegalisierung von Marihuana zu verdanken, dass Dealer friedlichen KifferInnen auch andere Substanzen schmackhaft machen, bis sie sie an der Angel haben. Will man dafür allein Marihuana verantwortlich machen?

Heute erscheint eines glaubwürdig: Die Gründe, aus denen Menschen rauchen oder kiffen, können ihn genauso gut zum Heroingebrauch treiben. Alles hängt davon ab, was sie in die Hände bekommen oder womit ein bestimmtes Erlebnis hervorgerufen werden kann. Und wie sieht es aus, wenn auch der Umkehrschluss stimmt, nämlich dass das weniger gefährliche Cannabis auch diejenigen Motive befriedigen kann, die Menschen zum Fixen bringen? Auch wenn die Lösung in der Realität nicht ganz so einfach ist, scheint es, dass man auf der sogenannten Drogenabstiegsleiter auch einen Schritt zurück tun kann.

Für den Beweis bedarf es keiner elaborierten Modelle. Es genügt, sich die steigende Zahl von Opiatüberdosierungen der letzten Jahre in den Vereinigten Staaten vor Augen zu führen. Die Opfer konsumieren anfangs oft rezeptpflichtige Schmerzmittel und gelangen letztendlich zu den potentesten Opiaten – nicht selten nehmen sie Heroin von der Straße. Durch die stetig steigende „Toleranz” gegenüber diesen Substanzen erhöhen sie solange die Dosis, bis der Organismus es nicht mehr aushält.

In den US-Bundesstaaten, die den Gebrauch von therapeutischem Cannabis legalisiert haben, fiel die Zahl der tödlichen Opiatüberdosierungen um ein Viertel, da viele Abhängige auf Cannabis umstiegen. Mehrere Untersuchungen bestätigen, dass sich die schweren körperlichen, geistigen und gesellschaftlichen Schäden, die durch chronischen Alkoholmissbrauch verursacht wurden, mit dem viel sichereren Cannabiskonsum lösen lassen könnten. Auf diesem Gebiet sind die Zahlen weniger eindeutig: Während in den Staaten, die therapeutisches Cannabis erlauben, die Zahl der Überdosierungen von Opiaten und Alkohol sank, stieg die Zahl der Todesfälle bei Jugendlichen durch Alkoholmissbrauch.

Eindeutig belegt ist jedoch, dass erst eine Aufklärung über die wahren Gefahren legaler und illegaler Drogen dazu beitragen kann, die Rolle von Cannabis auf dem Weg zum Ausstieg zu ergründen.