Aktiv für Patientenrechte

Spanische CannabispatientInnen für die besten Regulierungsmaßnahmen

Das Erscheinen von CBD-haltigen Cannabissorten und verschiedener nicht psychoaktiver CBD-Präparate – Öle, Kapseln, Cremes und Kristalle – haben die internationale Beurteilung des Cannabis verändert. Mit diesen Produkten vor Augen betrachten immer mehr Menschen Cannabis als Grundstoff für Arzneimittel.

Nach Ansicht der Organisation für Patientenrechte war die Zulassung zum medizinischen Gebrauch in Spanien vollkommen vergeblich, denn PatientInnen machen oftmals die Erfahrung, moralisch abgestempelt zu werden. Gerade zu dem Zeitpunkt, da die Wissenschaft nach zwanzig Jahren der Entwicklung zahllose Belege vorweisen kann, dass Cannabis in der Behandlung chronischer Schmerzen positive Wirkung zeigt, ebenso bei der Behandlung von Symptomen im Zusammenhang mit Krebs und Multipler Sklerose, dass den Schlaf verbessert und eine Therapie gegen Fibromyalgie bietet. Ärztliche Empfehlungen werden weiterhin nicht gegeben, und so erhalten in Spanien mehrere Tausend Menschen keine Cannabisbehandlung. Es ist ungerecht, dass entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnisse PatientInnen, die darauf angewiesen sind, keinen Zugang zur für sie unentbehrlichen Therapie erhalten. Dies möchte die UPCR ändern. Sie hat sich folgende Ziele gesetzt:

  • PatientInnen, die eine Cannabistherapie brauchen, ein strategischer Bundesgenosse zu sein;
  • eine Welt zu schaffen, in der Cannabis und seine Derivate zu einem möglichst geringen Preis erhältlich sind und unter gesellschaftlichem Schutz stehen;
  • für ein gesetzliches Umfeld zu kämpfen, in dem die Regulierung auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und die Menschenrechte schützt;
  • die KonsumentInnen, ProduzentInnen und Händler von medizinischem Cannabis von rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Sanktionen zu befreien.

Die Organisation ist der Überzeugung, dass auf Grundlage wissenschaftlicher Belege die Therapie und ärztliche Behandlung frei wählbar sein muss. Daher befürwortet und unterstützt die Non-Profit-Organisation UPRC im Interesse der PatientInnen und der Öffentlichkeit den Zugang zu entsprechend regulierten, qualitätskontrollierten Medikamenten auf Cannabisbasis. Sie verbreitet Informationen über die medizinischen Vorzüge von Cannabis, die Regulierung des Konsums sowie persönliche Erfahrungen. UPRC steht in Verbindung mit dem Medizinernetz, das PatientInnen zur Cannabistherapie berät. Sie verschafft sich einen Überblick über die Qualität der auf dem Markt erhältlichen medizinischen Cannabisprodukte und Dienstleistungen, um minderwertige Produkte und Scharlatane zurückzudrängen. Schließlich setzt man sich dafür ein, die Stimme der PatientInnen zu den Gesetzgebern vordringen zu lassen und Einfluss auf die Regulierung zu nehmen. Zur Sensibilisierung und Information organisiert man Runde Tische, Diskussionen, Workshops und andere Projekte.

Wir sprachen mit Noelia Illera Carballo, einer Mitarbeiterin des UPCR, die als Cannabispatientin das Team verstärkt.

Medijuana: Bitte erzähle uns in ein paar Worten etwas über dich und die Krankheit, die den Gebrauch von medizinischem Cannabis indiziert.

Noelia Illera Carballo: Ich bin 39 Jahre alt und stamme aus Barcelona. Seit 18 Jahren leide ich unter schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS). Die Krankheit begann mit einer zerebralen Dysfunktion. Nach dem Ausbruch blieb sie zwei Jahre inaktiv. Um einen neuen Ausbruch zu verhindern, behandelten mich Neurologen.

MED: Wie wirkten die traditionellen Medikamente?

NIC: Ich versuchte fünf Medikationen, bis ich an eine geriet, die das Fortschreiten der Krankheit stoppte. Man klassifizierte den Typus der Multiplen Sklerose als „sehr aggressiv“. In Ordnung. Die Symptome blieben. Es gab eine Zeit, ich war 25 Jahre alt, als ich nicht mehr alleine laufen konnte. Und mein Körper begann, sich gegen die Einnahme von so vielen Pillen zu wehren. Ich stürzte, schlug mir Zähne aus und der Neurologe gab mir eine Schiene und einen Gehstock.

MED: Ich nehme an, das war der Zeitpunkt, als du beschlossen hast, Cannabis zu nehmen. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

NIC: Ja, ich probierte einen Marihuanaextrakt und meine Erfahrungen waren wirklich exzellent. Ich nahm das Extrakt zusammen mit den Pillen. Nach zwei Jahren Cannabinoidbehandlung war ich in der Lage, ohne Schiene und Stock zu laufen und jeden Tag etwas zu unternehmen, ohne zu sehr zu ermüden. Ich spüre keinen Schwindel, wenn ich aufstehe, und ich kann normale Schritte machen. Cannabis hat meine Lebensqualität sehr verbessert.

MED: Was für einen Extrakt benutzt du?

NIC: Nachdem ich mehrere Typen versucht habe, benutze ich einen Extrakt im Verhältnis THC:CBD von 1:1. Das wirkt bei mir am besten.

MED: Nimmst du immer noch Pillen?

NIC: Jetzt nehme ich gar keine Pillen mehr und versuche auch, die Medizin auf Cannabisbasis unter Kontrolle zu halten. Von Zeit zu Zeit nehme ich den Extrakt nicht zur Nacht, damit die Tropfen am nächsten Tag einen größeren Effekt haben und mein Körper sich nicht an sie gewöhnt.

MED: Wie sehen die medizinischen Ergebnisse aus?

NIC: Die letzte Kontrolluntersuchung verlief perfekt – ohne Symptome einer Entzündung. Sie war sogar besser als die vorangegangene, trotzdem ich die Pillen abgesetzt habe. Auch die Depressionen und die Angst haben ziemlich abgenommen. Der Neuropsychologe sagte mir, dass ich mit der Cannabismedikation weitermachen soll.

MED: Wie würdest du die Wirkung des Cannabis auf deine Krankheit zusammenfassen?

NIC: Nach meiner Erfahrung haben Cannabinoide das Potenzial, die verbreitetsten unangenehmen Symptome der Multiplen Sklerose wie zum Beispiel neuropathische Schmerzen zu lösen oder zu verringern. Sie reduzieren die Spasmen und Muskelschmerzen und helfen, Schlaf zu finden. Wegen all dieser Verbesserungen – Vergleichbares gibt es auch bei anderen Krankheitsbildern – haben wir die UPCR gegründet, um allen Mitgliedern den Zugang zur Behandlung mit qualitativ hochwertigen Cannabinoiden auf sichere und wirtschaftliche Art zu erleichtern.