10 Jahre Cultiva – ein Jubiläum

Gedanken zu einer Cannabismesse

Zum zehnten Mal wurde dieses Jahr in Wien die Cultiva abgehalten. Das bedeutet nicht nur, dass sich die entscheidenden Fachleute und Vertreter der Hanf- und Cannabisindustrie schon seit zehn Jahren in der österreichischen Hauptstadt treffen, sondern auch, dass Wien seit nunmehr zehn Jahren eins der wichtigsten europäischen Zentren für Cannabis ist.

 

Seit der ersten Cultive hat es tiefgreifende Veränderungen und Entwicklungen in der europäischen Cannabisszene gegeben. Vor zehn Jahren war die Einrichtung eines CSC (Cannabis Social Club) nicht mehr als ein Traum und es war auch unvorstellbar, in einem Laden legal Hanfblüten zu verkaufen. Es gab noch keine THC-freie Cannabissorte; nur ein, zwei zielbewusste Züchter experimentierten mit CBD-reichen Sorten. Heute hingegen wurden auf der Cultiva überall CBD-Haschisch und CBD-Blüten an den Ständen mit einer solchen Selbstverständlichkeit verkauft wie früher in Amsterdamer Coffeeshops.

Anfangs sah man an den Ständen höchstens ein paar schöne Exemplare Ruderal-Hanf, während wir heute den Anblick und das Aroma von gewaltigen blühenden Cannabispflanzen bewundern können.

Vor zehn Jahren vertrat nur eine einzige Organisation die zivile Sphäre, heute nehmen die Vereinigungen und Stiftungen, die die Konsumenten und Patientinnen vertreten, einen gesonderten Raum ein.

Infolgedessen wird der Cultiva-Kongress, der Bestandteil der Messe ist, auch jedes Jahr größer, bunter und interessanter. Immer mehr Ärzte, Forscherinnen und Fachleute beteiligen sich an der Arbeit, durch die wir zu glaubwürdigen Informationen über die im Cannabis verborgenen, in erster Linie medizinischen und industriellen Potenziale.

Neben den zivilen Organisationen ist auch die Presse immer stärker vertreten. Ein Zeichen, dass auch sie wissen – ebenso wie der Markt –, was die Stunde geschlagen hat.

Zu ihrem 10. Jubiläum war dieses Jahr die Cultiva auch Ziel der Medical Cannabis Bike Tour, die von Slowenien nach Österreich geführt hatte. Mit der tollen öffentlichen Radtour wird Geld für die Forschung gesammelt und auf die Situation der Cannabispatienten aufmerksam gemacht.

Die Messe selbst war dieses Jahr luftiger, transparenter und angenehmer zu begehen als in den vergangenen Jahren. Die Aussteller gaben mehr Geld für die Ausstattung der Stände aus und versuchten teilweise auf spektakuläre Weise, den Besuchern ihr Logo einzuprägen.

Züchterinnen und Händler präsentierten die Herbstneuheiten – Samen, Bedarf für Anbautechnik und Konsum, und darüber hinaus auch Modeartikel. Es war gut, zu sehen, dass sich in der Cannabisszene schon eigene Trends und ein eigenes Image entwickelt haben, und die Mode, wie überall auch, Veränderungen unterworfen ist.

Hauptsache, dass die Message jedes Jahr die gleiche bleibt. Dass es mehr Verbindendes als Trennendes gibt. Gleichgültig, ob jemand Cannabis konsumiert oder nicht, und wenn ja, aus welchem Grund und mit welchem Ziel er das tut.

Wir sind viele und wir sind verschieden, aber das Cannabis verbindet uns. In einem Punkt stimmen wir alle überein: Das gegenwärtige stigmatisierende, herabwürdigende, den wissenschaftlichen Fortschritt und die therapeutische Anwendung behindernde, die positiven Ergebnisse und Erfahrungen verheimlichende, verlogene und unmenschliche System bzw. die internationalen Abkommen und Gesetze, die es aufrechterhalten, gilt es zu verändern.

Dazu braucht es zunächst starken gesellschaftlichen Druck, der jedem Widerspruch standhält, den alle zusammen aufbauen müssen. Patientinnen, die für ihre Rechte eintreten, ebenso wie Ärzte, Wissenschaftlerinnen, Gärtner, Rechtsanwälte, Journalistinnen, und natürlich ähnliche Veranstaltungen wie die Cultiva. An allererster Stelle steht die Einigkeit. Nicht zu sehen, was trennt, was unterscheidet, sondern das, was verbindet. Dieses gemeinsame Ziel müssen wir vor Augen haben, um die Leiden der Welt zu verringern. Cannabis, diese außergewöhnlich nützliche Heilpflanze, ist das Mittel, um diese Einheit zu schaffen.